Auf der Suche nach dem kleinen Glück: Ines Schmiedt und Julian Niedermeier in Lena Christs “Madam Bäurin” im Theaterzelt

Auf der Suche nach dem kleinen Glück: Ines Schmiedt und Julian Niedermeier in Lena Christs “Madam Bäurin” im Theaterzelt

Volkstheater hat am Landestheater Niederbayern seit Jahren einen besonderen Stellenwert – mit mindestens einer Produktion pro Spielzeit widmet sich das Theater dialektalen Stoffen, mal heiteren wie dem „Brandner Kaspar“, mal kritischen wie den „Jagdszenen aus Niederbayern“. 2017 findet ein Werk von Lena Christ den Weg auf die Bühne: Fast 100 Jahre nach seinem Erscheinen feiert der Roman „Madam Bäurin“ in der Bearbeitung von Peter Johannes Oberdorf und Wolfgang Maria Bauer seine Uraufführung. Am heutigen Sonntag um 16 Uhr ist das Stück im Theaterzelt zu sehen und danach noch zweimal im Juni: am Freitag, 2., und am Samstag, 3., jeweils um 19.30 Uhr.

Die vornehme Rechtsrätin Scheuflein möchte ihre Tochter an eine gute Partie verheiraten, doch die junge Rosalie ist so gar nicht gemacht für das feudale Leben. Während der Sommerfrische verliebt sie sich in den Bauernsohn Franzl. Nicht nur die Rechtsrätin ist empört, sondern auch Franzls Mutter, die Schiermoserin, ist aus dem Häuschen. Sie stellt sich für ihren Sohn eine ordentliche Bäuerin vor und kein zartes Mädchen aus der Stadt. Stadt und Land stehen sich hier unversöhnlich gegenüber, die Liebe zwischen dem Bauern und der Städterin scheint unmöglich, wenn es da nicht Tante Adele und den Schiermoser gäbe, die dem Glück ein bisschen auf die Sprünge helfen.

Die große bayerische Autorin Lena Christ (1881-1920) hat mit ihrem Roman “Madam Bäurin” eine unübertreffliche Milieuschilderung des bäuerlichen Lebens abgegeben. Ohne sentimental oder kitschig zu werden, entwarf sie ehrliche und liebevolle Figuren, die alle auf der Suche nach dem kleinen Glück des Lebens sind. Damit hat sich Christ eine Welt aufgebaut, die ihrer eigenen diametral entgegen stand. Misshandelt durch die eigene Mutter, verheiratet mit einem Alkoholiker, immer in finanzieller Not, an einer Tuberkulose leidend – so sah Lena Christs harte Realität aus, die sie 1920 in den Selbstmord trieb.





Die Theateradaption des Romans schrieben Dramaturg Peter Oberdorf und Oberspielleiter Wolfgang Maria Bauer, der auch für Regie und Bühnenbild verantwortlich zeichnet, die Kostüme entwirft Katja Salzbrenner. Das Liebespaar Rosalie und Franzl wird von Ines Schmiedt und Julian Niedermeier (Bild) gespielt, als Rechtsrätin Scheuflein ist Ursula Erb zu erleben, als Tante Adele Paula-Maria Kirschner. Die Schiermosers werden von Joachim Vollrath und Adelheid Bräu gespielt. Darüber hinaus führen Reinhard Peer und David Moorbach als Erzähler durch das Stück. In weiteren Rollen sind Johanna Gruber, Lara Joy Körner und Stefan Sieh zu sehen.

(Foto: Peter Litvai, Landestheater Niederbayern)

 

Kategorien: Aktuell, Kultur

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