Karlschwaige: Innenraumstruktur wurde “vernichtet”, so Baureferent Doll – Grünen-Chef Gruber fordert härtere Strafen, nicht nur “Pillepalle aus der Portokasse”

Karlschwaige: Innenraumstruktur wurde “vernichtet”, so Baureferent Doll – Grünen-Chef Gruber fordert härtere Strafen, nicht nur “Pillepalle aus der Portokasse”

Unschöne Sache, das mit der Karlschwaige. Wenn jemand von der Geschichte um das denkmalgeschützte Anwesen im Nikolaviertel noch nichts gehört haben sollte, bekam er im Bausenat am Freitag einen ziemlich prächtigen Eindruck davon, wie so ziemlich alle Akteure in Politik und Verwaltung vom Schicksal des alten Hauses enerviert sind – aus höchst unterschiedlichen Gründen zwar, aber auf eine so grundlegende Weise, dass neben ein paar Informationen allseits schlechte Stimmung kostenlos mitgeliefert wurde.

Hier sei wohl ein Denkmal “unwiderruflich zerstört” worden, argwöhnten die Grünen in ihrem Fragenkatalog (wir berichteten), der das Thema noch einmal auf die Tagesordnung hievte. Baureferent Johannes Doll gab in der SItzung einen differenzierten Rückblick auf die (mehr oder weniger denkmalspezifische) Historie des Hauses, für die Zustandsbeschreibung im Februar 2017 fand er dann Worte hinreichender Prägnanz: Die Innenraumstruktur des Bauernhauses sei “vernichtet” worden (“ohne die erforderlichen Genehmigungen bzw. denkmalschutzrechtlichen Erlaubnisse”, heißt es dazu in den Sitzungsunterlagen). In einem Atemzug fügte Doll – gefühlt eher nach einem Komma als nach einem Punkt – hinzu: “Aber es lässt sich nun nicht mehr ändern.” Das Haus stehe “nun mal so da”.

Grünen-Stadträtin Hedwig Borgmann zeigte sich empört. Die Stadt sei hier zu nachsichtig gewesen und habe nicht engmaschig genug kontrolliert. Herausgekommen sei ein “Freifahrtschein für den Investor”, ein “Blankoscheck für illegalen Abbruch”.





Das wiederum wollte Doll nicht auf sich sitzen lassen. Kaum ein Gebäude in der Stadt sei diesbezüglich so oft überwacht worden wie die Karlschwaige. Aber letztendlich entziehe sich so ein Vorgang dem “Zugriff” des Baureferats, so dessen Chef: “Ich kann ja keinen danebenstellen.” Was sehr wohl passiert sei: Die Stadt habe ein Bußgeld- bzw. Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Grünen-Fraktionschef Stefan Gruber forderte daraufhin für solche Fälle empfindlichere Strafen, “damit es weh tut” – und nicht nur “Pillepalle aus der Portokasse”.

In wenig amikaler Stimmung wogte die Debatte noch eine Zeitlang hin und her. Zu entscheiden gab es eh nichts mehr, und kurz vor Schluss sagte dann SPD-Stadtrat Gerd Steinberger, die beste Lösung für die Karlschwaige wäre sowieso “Wegschieben” gewesen. Nach Einschätzung von OB Alexander Putz obendrein die billigere.

Michael Stolzenberg

Kategorien: Aktuell, Nachrichten

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