LESERBRIEF eines verärgerten Bahnkunden: Über eingefrorene Weichen und gefährliche Glätte auf dem Bahnsteig

Zu aktuellen Erfahrungen mit der Bahn in der Region Landshut hat uns folgender Leserbrief erreicht:

Am 31.1. (dem Tag mit dem Eisregen) fuhr ich mit der Bahn von Neufahrn nach Landshut und zurück. Der Zug sollte um 8.11 fahren. Noch um 8.25 (belegbar durch Screenshot) meldete die Bahn-App eine Verspätung von nur 2 Minuten, während es in Wirklichkeit dann 36 Minuten waren. Ich habe durchaus Verständnis für die Schwierigkeiten im Betrieb, aber kein Verständnis, wenn einfach nicht informiert wird.

Die Rückfahrt: Der Zug sollte um 9.31 gehen. Am Bahnsteig war in der Anzeige ein Zug mit Abfahrt 9.44 angezeigt. Was mit dem um 9.31 los ist, war nicht zu sehen. Zwischendurch kam dort ein Hinweis, dass der Zug nach Passau auf einem anderen Gleis abfahre, während kurz zuvor eine Lautsprecherdurchsage verkündete, dass bis Wörth überhaupt keine Züge führen und vor dem Bahnhof Ersatzbusse stünden. Was von beiden stimmt, wer soll es wissen? Fragen kann man ja niemanden. Später war dann auch in der Bahnhofshalle zu lesen, dass der Zug 35 Minuten Verspätung habe. Warum steht das nicht am Bahnsteig?





Beim Aussteigen in Neufahrn warnten Lautsprecherdurchsagen vor Glätte auf dem Bahnsteig. Beim Aussteigen hat man aber keine andere Wahl, als die Bahnsteigkante zu betreten. Und genau die war absolut spiegelglatt und hatte garantiert seit Stunden kein Salz gesehen. Ich hatte massiv zu kämpfen, damit ich nicht beim Aussteigen unter den Zug rutsche. Es gibt wohl kaum einen Ort, wo das Ausrutschen so gefährlich ist, wie an der Bahnsteigkante.

Fazit: Die Informationspolitik, ist eine Katastrophe, und daran ist nicht das Glatteis schuld. Übrigens ist in Landshut auf Gleis 5 seit langen Jahren die (einzige) Anzeigetafel durch diverse nachträgliche Einbauten und Schilder so verdeckt, dass sie überhaupt nur auf einer Hälfte des Bahnsteiges zu sehen ist und von vielen Reisenden überhaupt nicht bemerkt wird – ein wahrer Schildbürgerstreich! Kommt denn jahrelang kein verantwortlicher Mitarbeiter auf den Bahnsteig und merkt, dass die Anzeigetafel längst ihren Zweck nicht mehr erfüllt? Oder haben mitdenkende Mitarbeiter resigniert, weil sie die Erfahrung machen, dass es an vorgesetzter Stelle keinen interessiert?

Bei Glatteis müssen gerade die Bahnsteigkanten gesalzen werden. Ohne wenigstens den gefährlichsten Teil, nämlich die Bahnsteigkanten zu sichern, kann man einen Bahnbetrieb seriöserweise nicht aufrechterhalten. Und dann gilt das, was jedes Jahr die Bürger von ihrer Gemeinde als Belehrung erhalten: „Diese Maßnahmen sind, soweit erforderlich, …. zu wiederholen.“

Was Kommunen von den Bürgern verlangen, sollte das staatseigene Unternehmen Bahn selbst auch einhalten. Die einzelnen Mitarbeiter geben sicher ihr Bestes und sagen sicher zu Recht, sie können nicht überall sein, aber das ganze ist eben nur unter dem Aspekt der Kostenersparnis organisiert und das Personal kann die schlimmsten Gefahren überhaupt nicht beseitigen, weil es eben zu wenige sind. Ich rede ausdrücklich nicht von einem Idealzustand, sondern nur von der Verhütung potentiell tödlicher Gefahren. Ich glaube, der Jurist nennt das Organisationsverschulden.

Ursache etlicher Verspätungen seien eingefrorene Weichen. Zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn gab es da Weichenheizungen, die das verhinderten. Aber die hat man offensichtlich eingespart. Wieder ein Beispiel dafür, dass der Fisch vom Kopf her stinkt.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass ein großer Teil der Probleme, sei es die fehlende Information, sei es der versagende Winterdienst, seien es die Störungen auf der Strecke, auf überzogene Einsparungen zurückzuführen ist, welche die Bilanz für den Börsengang aufhübschen sollten. Den Betriebswirten, die nach immer neuem Einsparpotential suchen, ist anscheinend nicht klar, dass sie dadurch mitunter Menschenleben aufs Spiel setzen. Oder nehmen sie das einfach in Kauf?

Vielleicht sollte man die Bahn wieder in eine Einrichtung der öffentlichen Daseinsvorsorge zurückverwandeln, deren erstes Ziel es ist, dem Bürger eine ordentliche Leistung anzubieten und nicht, den Aktionären möglichst viel Dividende auszuschütten.

Da fällt mir der alte Witz ein: Geht ein Abiturient zur Studienberatung: „Ich möchte gerne Wirtschaftsethik studieren.“ Ja, da müssen Sie sich schon entscheiden.

Rudolf Puryear

84088 Neufahrn

Kategorien: Aktuell, Meinung

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