Neues von Thomas Beißner: Seine Bilder im “Schwarzen Hahn” liefern eine Geschichte – das Thema muss der Betrachter selbst finden

Neues von Thomas Beißner: Seine Bilder im “Schwarzen Hahn” liefern eine Geschichte – das Thema muss der Betrachter selbst finden

Thomas Beißner ist der Landshuter Öffentlichkeit wohlbekannt. Er ist der Theaterfotograph von „Schmid’s Laden“ – und vielleicht erinnern Sie ja noch an seine Ausstellung in der Hl.-Geist-Kirche. Nun sind im „Schwarzen Hahn“ Bilder von Thomas Beißner zu sehen, die rund um eine Literaturkollage von Christoph Schmid entstanden sind.

Diese Produktion war im März 2014 in Schmid’s Laden zu sehen und verknüpfte Kafkas “Verwandlung” mit einem Text des französischen Natur- und Insektenforschers Jean-Henri Fabre. Bei Kafka ist die Verwandlung Gregor Samsas in ein ungeheures Ungeziefer die Geschichte – aber nicht das Thema: Diese Verwandlung ist wie eine Lupe, durch die das Leben und das Umfeld Gregors betrachtet wird. Und zwar: sein wirkliches Leben, seine Entfremdung von sich selbst – von sich selbst, der nur für andere lebt und arbeitet.

Die Erkenntnis, dass sein Leben nutzlos ist, was ihm durch sein Umfeld klar wird, das ist der tragische Konflikt. Christoph Schmid verschränkt die Begeisterung, mit der Fabre über Insekten schreibt, mit dem Ekel, mit dem Vater, Mutter und Tochter über Gregor sprechen. Das, dieser Kontrast, der dem Zuschauer Gelegenheit gibt aufzuatmen, weist auf das eigentliche Thema hin.





Und genauso, wie es bei der Verwandlung die Geschichte und das Thema gibt, gibt es bei diesen Bildern von Thomas Beißner Geschichte und Thema. Ein Beispiel: Es gibt da ein Foto, da horcht eine Person ganz vorsichtig an einem Wohnwagen. Aber, was sucht diese Person? – Beißners Fotos sind unformulierte Fragen, Fragezeichen, die im Raum stehen; das Bild ist also nur zur Hälfte fertig. Es braucht im verstärkten Maße den Betrachter, durch den das Bild erst fertig wird. Die Bilder liefern eine Geschichte, das Thema muss der Betrachter selbst finden.

Thomas Beißners Fotos sind sämtlich Porträts. Porträts von einer Person. Sie fragen sich vielleicht, wer diese Person spielt? Das ist Christoph Schmid. Gesamt gesehen sind die Bilder Szenen eines Films, der eine grobe Geschichte erzählt, bloß das Thema, das müssen Sie – Sie selbst – finden! Also: Machen Sie sich auf die Suche, gehen Sie in den „Schwarzen Hahn“!

Christoph Goldstein 

 

 

 

 

 

 

Kategorien: Aktuell, Kultur, Meinung

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