Wann muss der Chef fürs Umziehen zahlen? Kurt Haberl von der NGG sagt: “Da steckt richtig Musik drin”

Wann muss der Chef fürs Umziehen zahlen? Kurt Haberl von der NGG sagt: “Da steckt richtig Musik drin”

Ein Bäcker ist kein Model – muss sich aber mindestens zweimal am Tag umziehen. Von der Bäckerkleidung bis zu Sicherheitsschuhen gilt dabei: Beschäftigte in Landshut, die eine Arbeitskleidung tragen müssen, können Umkleidezeiten als Arbeitszeit bezahlt bekommen. Voraussetzung sei, dass der Arbeitgeber die Kleidung vorschreibe und das Umziehen im Betrieb erfolgen müsse. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin.

„Das Tragen einer Arbeitskleidung ist keine Privatsache. Ob im Schnellrestaurant, in der Backstube oder in der Lebensmittelindustrie – in vielen Branchen muss der Chef die Zeit fürs Umziehen vergüten“, sagt Kurt Haberl von der NGG Niederbayern. Dies wüssten zwar viele Beschäftigte und auch Unternehmen nicht, „aber da steckt richtig Musik drin“, so der Gewerkschafter. Das Umkleiden im Betrieb sei Arbeitszeit und müsse auch vergütet werden. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) habe diese Auffassung in den letzten Jahren mehrfach bestätigt.

„Das Umziehen macht oft gut 20 Minuten am Tag aus. Hier legen die Beschäftigten also mehr als anderthalb Stunden pro Woche oben drauf, wenn der Chef nicht zahlt“, betont Haberl. Es komme jedoch immer auf den Einzelfall an. Der individuelle Anspruch richte sich nach Art der Kleidung und des Betriebs. Häufig sei eine Pauschale für die Umkleide-Zeit per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung geregelt. Die NGG rät: Wer sichergehen will, was ihm zusteht, sollte sich an die Gewerkschaft vor Ort wenden.





„In der Ernährungsindustrie ist die Sache relativ klar. Hier können die Beschäftigten allein schon aus hygienischen Gründen nicht in Arbeitskleidung in die Firma fahren. Daher gilt: Erst stempeln, dann umziehen“, so Haberl. Ähnlich sehe es im Bäckerhandwerk aus: „Ein Bäcker kann sich mit seiner weißen Montur schlecht morgens in den Bus setzen. Aber auch Mitarbeiter von Schnellrestaurants wie McDonald’s oder Burger King müssen sich aus Hygienegründen am Arbeitsort umziehen – und dafür vergütet werden.“

 

 

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