Ziemlich bester Oberbürgermeister: Alexander Putz ist jetzt 99 Tage im Amt – Zeit für die erste Bilanz und einen Ausblick auf 2020

Ziemlich bester Oberbürgermeister: Alexander Putz ist jetzt 99 Tage im Amt – Zeit für die erste Bilanz und einen Ausblick auf 2020

Der Mann ist ein Phänomen. Mit fast furchteinflößender Geschwindigkeit hat sich Alexander Putz in sein neues Amt als Oberbürgermeister von Landshut eingearbeitet. Moment mal – eingearbeitet? Musste er sich wirklich einarbeiten?? Die gefühlte Antwort, wenn man ihn in seinem ersten Vierteljahr als OB in ganz unterschiedlichen Situationen und Rollen erlebt hat, lautet: Nein, er ist am 1. bzw. 2. Januar einfach ins Rathaus gegangen und hat den neuen Job angetreten, den ihm die Landshuter im Oktober mit staunenswerter Mehrheit verschafft hatten. Von Eingewöhnungsproblemen keine Spur, auch kaum von „Arbeit“, sofern man sie mit Freudlosigkeit und Mühsal assoziiert. Eher beobachtet man einen anhaltenden Zustand meist heiterer Gelassenheit im Amt.

Dass Putz quasi aus dem politischen Niemandsland die Stadtspitze erstürmte, mag für überregionale Medien und manchen Wahlkampfgegner ein Thema (bzw. ein Ärgernis) gewesen sein – keinesfalls jedoch für den Betroffenen selbst. Leichtfüßig führte er seine Wahlkampagne zum Erfolg, unaufgeregt trat er das Amt an und bekleidet es seither auf die denkbar selbstverständlichste Art und Weise.

Alexander Putz gibt den Oberbürgermeister, als ob er nie etwas anderes gemacht – oder sich seit 53 Jahren heimlich darauf vorbereitet – hätte. Nach 99 Tagen im Amt darf man – Stichwort Phänomen – etwas konstatieren, was man wegen krass offensichtlicher Widersprüchlichkeit nach 55 oder 22 Tagen noch nicht schreiben wollte. Aber es ist halt so: Der OB scheint in sein Amt eine Routine mitgebracht zu haben, die er gar nicht haben kann.





Auf tendenziell lustige Weise erweckt Putz in Sitzungen den Eindruck, als sei er eigentlich immer schon da. Gar nicht so selten erinnert der Neuling einen altgedienten Stadtrat an Details der Geschäftsordnung oder weist bei Bedarf darauf hin, dass man dieses oder jenes Thema in den letzten Jahren doch wirklich oft genug durchgekaut habe. Dass er selbst damals längst noch nicht dabei war, vergisst man fast.

Bei öffentlichen Auftritten jedweder Art kommt Putz zugute, dass er ein hemmungsloser Generalist ist. Er weiß zu allem etwas zu sagen; jedenfalls ist noch kein Termin aktenkundig geworden, bei dem das nicht so war. Ob Umweltmesse oder Kurzfilmfestival, ob bei Fasching, Feuerwehr oder Förderern – die freie Rede und der richtige Ton sind rasch zu Markenzeichen des neuen Oberbürgermeisters geworden.

Den politischen Akteur Alexander Putz zu würdigen, dafür ist es noch zu früh. Was sich bis dato abzeichnet, ist durchaus vielgestaltig: Man sieht zupackenden, problemlösenden Pragmatismus wie bei den Wagnergassen-Häusern. Man erkennt den Mut, sich kraft eigener Überzeugung bei wütenden Bürgern unbeliebt zu machen, siehe Wolfgangsbad. Man glaubt eine überdurchschnittliche Sympathie für Bauherren bzw. ihre Projekte wahrzunehmen. Und natürlich: Man weiß, dass der OB die Westtangente bauen will.

99 Tage nach dem Ende der Ära von Hans Rampf haben sich die Landshuter längst an seinen Nachfolger Alexander Putz gewöhnt. Ob sie ihn so sehr mögen (werden) wie seinen hochbeliebten Vorgänger, ist nicht gewiss. Dass sie ihn gut finden, darf dagegen bis auf weiteres als gesicherte Erkenntnis gelten.

Übrigens: Auch Putz findet Putz gut. Er gibt sich jedenfalls nicht nennenswert Mühe zu kaschieren, dass er sich für den ziemlich besten Oberbürgermeister hält. Was all das für die nächste OB-Wahl in drei Jahren bedeutet, werden wir sehen. Und weil das Teilnehmerfeld für März 2020 mit ordentlicher Wahrscheinlichkeit heute schon ziemlich klare Konturen hat, darf man ja mal spekulieren. Was werden der Grüne Stefan Gruber und Patricia Steinberger von der SPD bei ihren zu erwartenden zweiten Anläufen reißen? Und was ist dem – seit seiner Wahl zum Kreisvorsitzenden als OB-Kandidat designierten – CSU-Hoffnungsträger Thomas Haslinger zuzutrauen?

Titelverteidiger Putz versus Hauptherausforderer Haslinger – das wäre fürwahr eine spannende Konstellation, mit aus heutiger Sicht völlig offenem Ausgang. Es könnte gut sein, dass es der junge Christsoziale als erster Wahlkämpfer schafft, Putz in die Defensive zu drängen. Genauso gut ist es aber vorstellbar, dass der OB mit allen oben erwähnten Attributen plus Amtsbonus seinen 23 Jahre jüngeren Kontrahenten alt aussehen lässt.

Michael Stolzenberg 

Kategorien: Aktuell, Meinung, Politik

Kommentar hinzufügen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte geben Sie Ihren Namen sowie Ihre E-Mail-Adresse an. Weitere Pflichtfelder sind markiert.*